Was bedeutet "sichere Geburt"?

Geburt ist der Beginn eines neuen Lebens für die ganze Familie, insbesondere aber für MutterBaby. Dieser Begriff ist übernommen aus dem englischen „MotherBaby“ der IMBCO. Er bezieht sich auf die Symbiose Mutter-Kind während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebensphase.

Eltern, Familien insgesamt, Ärzte, Hebammen - alle wünschen sich für Kinder einen sicheren Start ins Leben. Wie kann dieser gelingen? Gibt es bestimmte Voraussetzungen bzw. Merkmale, die eine Geburt besonders  "sicher" werden lassen und das Risiko von (bleibenden) physischen und psychischen Schäden verringern?

Aus wissenschaftlicher Sicht und bezogen auf MutterBaby, tragen folgende Merkmale zu einer guten und sicheren Geburtshilfe bei:

Grundlagen einer sicheren Geburtshilfe

1. Wohnortnahe Versorgung: Erreichbarkeit in max. 30 PkW-Minuten

2. Kontinuierliche Eins-zu-Eins-Betreuung durch Bezugshebamme

3. Weniger (Routine-)Interventionen

4. Medizinisch notwendige Kaiserschnitte (max. 15-17 Prozent)

5. Zufriedenheit mit der Geburt und „informed consent“

1. Wohnortnahe Versorgung: Erreichbarkeit in max. 30 PkW-Minuten

Eine längere Fahrzeit zum Geburtsort „ist mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko und schlechteren Geburtsverlauf bei den Frauen verbunden.“

Eine wohnortnahe Versorgung mit geburtshilflichen Einrichtungen muss deshalb gewährleistet sein. Geburtshilfliche Angebote müssen als Akutversorgung auf Ebene der Notfall- und Grundversorgung mit in die Krankenhausplanung aufgenommen werden.

Die geburtshilflichen Angebote müssen den örtlichen Bedarfen entsprechen, damit sie für die Mütter leicht erreichbar sind.

2. Kontinuierliche Eins-zu-Eins-Betreuung durch Bezugshebamme

Sichere Geburt durch Eins-zu-Eins-Betreuung
(c) Drift Photography, www.drift-photography.de

Eine kontinuierliche Hebammenbetreuung durch eine Bezugshebamme während Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett verhindert eine Vielzahl unnötiger Interventionen und Kaiserschnitte, die mit langfristigen gesundheitlichen Folgen für Kinder und Mütter verbunden sein können.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass es bei dem Betreuungsmodell der kontinuierlichen Eins-zu-Eins-Betreuung zu deutlich weniger Periduralanästhesien (PDAs), weniger Dammschnitten (Episiotomien), weniger operativen Geburten (Saugglocke, Zange), weniger Frühgeburten kommt und die Wahrscheinlichkeit einer vaginalen Geburt erhöht ist.

Die Folgen von unzureichend betreuten Geburten sind mehr Interventionen, höhere Risiken, Traumatisierungen und deutlich weniger gesunde Geburten, als durch eine bessere Betreuung möglich wären. Sie bergen nicht nur ein individuelles Gesundheitsrisiko für Kind und Mutter, sondern als dessen Folge auch hohe Kosten für unsere Solidargemeinschaft.

3. Weniger (Routine-)Interventionen

Eingriffe in den Geburtsverlauf sollten nach höchsten wissenschaftlichen Standards durchgeführt und Routine-Interventionen vermieden werden. Hier gilt es, unnötige Eingriffe in den Geburtsverlauf zu vermeiden. Dazu zählen Routinen, die nicht individuell abgewägt werden.

Derzeit finden nur rund 7 Prozent aller Geburten ohne Interventionen statt. Der Nutzen vieler gängiger (Routine-)Interventionen ist nicht ausreichend belegt (z.B. kontinuierliche CTG-Überwachung in der Austreibungsphase, Kristeller-Manöver, Anleitung zum Pressen, Episiotomien, sofortiges Abnabeln, etc.). Diese sollten nur nach sorgfältiger Risikoabwägung im Einvernehmen mit der Gebärenden angewendet werden.

4. Medizinisch notwendige Kaiserschnitte (max. 15-17 Prozent)

Die Kaiserschnittrate muss gesenkt werden. In Deutschland wird heute mehr als jedes dritte Kind per Sectio geboren - mit den bekannten Folgen für Kind und Mutter (Atemstörungen; Bindungsstörungen, Depressionen, längere KH-Verweildauer, Fehlbesiedlung des Darmes, vermuteter Zusammenhang mit Asthma und Diabetes, etc.).

Jeder vermeidbare Kaiserschnitt ist also sowohl volkswirtschaftlich, als auch individuell ein Gewinn. Laut einer aktuellen Bewertung der WHO verbessert eine Sectiorate von über 10-15 Prozent nicht die Mortalitäts- und Morbiditätsraten für Kind und Mutter.

5. Zufriedenheit mit der Geburt und „informed consent“

Auch schwierige Geburten können von den Müttern mit einer MutterBaby-zentrierten Geburtshilfe als positiv und selbstbestimmt empfunden werden. (c) Drift Fotografie, www.drift-photography.de/

Die Zufriedenheit mit der Geburt ist eine subjektive Größe, die von vielen Faktoren abhängt. Die Erfahrungen der Mütter während der Geburt geben einen wichtigen Indikator für die Qualität einer MutterBaby-zentrierten Geburtshilfe. Eine positive und als selbstbestimmt erlebte Geburtserfahrung (auch, wenn die Geburt möglicherweise schwierig war) wirkt sich nachweislich positiv auf MutterBaby und die Familienbildungsphase aus. Zudem ist sie eine wichtige Voraussetzung für die Bindungs-, Entwicklungs- und Stillförderung nach WHO-B.E.S.T.©-Kriterien.

Geburtshelfer/innen sollte bewusst sein, dass eine Geburt für jede Frau ein besonderes, einmaliges und auch intimes Ereignis ist, das nach einem achtsamen Umgang verlangt.

Ziel ist deshalb eine MutterBaby-zentrierte, individuelle und evidenzbasierte Geburtshilfe, bei der Entscheidungen über Eingriffe und Untersuchungen im Sinne von „informed consent“ durch die Gebärende getroffen werden.

Zum ausführlichen PDF-Dokument