10-Punkte-Plan: Lösungsansätze für eine sichere Geburtshilfe

Was kann die Politik konkret für eine Verbesserung der Geburtshilfe tun? (c) Mother hood e. V.

Den vollständigen 10-Punkte-Plan mit Erklärungen gibt es hier zum Download.

Die Förderung der Kindergesundheit beginnt mit Schwangerschaft und Geburt. In die Geburtshilfe zu investieren heißt also, in eine gesunde Gesellschaft zu investieren!

Die geburtshilfliche Versorgung steht vor komplexen Problemen, deren Ursachen strukturell bedingt sind. Ein Handeln der Politik ist daher dringend nötig. Mother Hood schlägt folgenden 10-Punkte-Plan zur Verbesserung der Situation vor. Diese Lösungsansätze haben wir im Juli 2018 auch dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Dr. Thomas Gebhart, übergeben und regelmäßig überarbeitet (Stand Dezember 2019):

1. Bedarfsorientierte Vergütung der Geburtshilfe

2. Bessere Personalschlüssel in den Kreißsälen

3. Wohnortnahe Versorgung gewährleisten

4. Erfassung von Geburtsschäden

5. Absicherung von Geburtsschäden

6. Müttersterblichkeit erfassen

7. Sektorenübergreifende Versorgung verbessern

8. Investition in Forschung für eine evidenzbasierte Geburtshilfe

9. Kinder-, Frauen- und Patient*innennrechte stärken

10. Prävention und Gesundheitskompetenz fördern

1. Lösungsansatz: bedarfsorientierte Vergütung der Geburtshilfe

Natürliche Geburten müssen bedarfsgerecht vergütet werden. Das gilt sowohl für die Klinikgesellschaften mit geburtshilflichen Abteilungen und angestelltem Personal, als auch für die freiberuflichen Hebammen und Belegärzte, die in der Geburtshilfe tätig sind.

2. Lösungsansatz: bessere Personalschlüssel in den Kreißsälen

Eine kontinuierliche 1:1-Betreuung während der gesamten Geburt durch eine dauerhaft anwesende (Bezugs-)Hebamme ist der sicherste Weg der Geburtsbegleitung und muss gewährleistet werden.

3. Lösungsansatz: wohnortnahe Versorgung gewährleisten

Geburtshilfe ist Akutversorgung, die auch eine Notfallversorgung umfasst, und sollte daher als Grundversorgung der Bevölkerung wohnortnah zur Verfügung stehen. Derzeit liegen noch keine “Erkenntnisse zu fachmedizinischen Vorgaben zur Erreichbarkeit des Geburtsortes” vor, so in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der GRÜNEN im April 2018.

Die vom Gemeinsamen Bundesausschuss empfohlenen 40 Minuten sind willkürlich und nicht evidenzbasiert.

4. Lösungsansatz: Erfassung von Geburtsschäden

Um zuverlässige Aussagen über die Ergebnisqualität in der Geburtshilfe treffen zu können, müssen Geburtsschäden auch im klinischen Setting erfasst und zentral im Rahmen von systematischen Einzelfallanalysen aufgearbeitet werden.

5. Lösungsansatz: Absicherung von Geburtsschäden

Geburtsschäden müssen adäquat abgesichert werden.

6. Lösungsansatz: Erfassung der Müttersterblichkeit

Zur Beurteilung der Qualität eines Gesundheitswesens gelten im internationalen Kontext die Mütter- und Säuglingssterblichkeitrate.

Die Erfassung der Müttersterbefälle in Deutschland ist unvollständig und entspricht größtenteils nicht den WHO-Vorgaben gemäß ICD 10 (späte Fälle von Müttersterblichkeit bis ein Jahr nach Ende der Schwangerschaft). “Da es sich um ein seltenes, einschneidendes Ereignis handelt, soll jeder Einzelfall untersucht werden.”

7. Lösungsansatz: Sektorenübergreifende Versorgung verbessern

Die Betreuung von Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerinnen mit ihren Kindern umfasst verschiedene (medizinische) Sektoren / Gesundheitsberufe.

8. Lösungsansatz: Investiton in Forschung für eine evidenzbasierte Geburtshilfe

Die Kaiserschnittrate muss gesenkt werden und interventionsarme Geburten gefördert werden. Gängige Routine-Interventionen und -abläufe müssen überprüft und hinterfragt werden.

Eine evidenzbasierte Geburtshilfe ist anzustreben im Sinne der Sicherheit für Mutter und Kind. Grundlage ist eine gute Förderung, Finanzierung und Umsetzung in der Praxis.

9. Lösungsansatz: Kinder- und Frauenrechte stärken

Die “Verpflichtungen aus der Istanbul-Konvention umzusetzen” müssen beim “Gewaltschutz an Frauen”  auch in der Geburtshilfe umgesetzt werden. Die Stärkung der Kinder-, Frauen- und Patient*innenrechte umfasst genauso die Zeit von Schwangerschaft und Geburt, in der Frauen und Kindern das Recht auf körperliche Unversehrtheit nach Artikel 1 des Grundgesetzes gewährt werden muss.

Kinderrechte rund um die Geburt sind bereits im Jahr 1998 in der EACH-Charta sowie 1989 in der UN-Kinderrechtskonvention verankert worden. Demnach müssen zum Beispiel unnötige Interventionen und Trennungen vermieden werden.

10. Lösungsansatz: Prävention und Gesundheitskompetenz fördern

(Zukünftigen) Eltern muss eine gute und evidenzbasierte Aufklärung über die physiologischen Vorgänge rund um Schwangerschaft und Geburt, mögliche Interventionen mit deren Folgen sowie über ihre Patient*innenrechte angeboten werden.