Maskenpflicht und eingeschränkte Geburtsbegleitung wegen Corona: Gebären unter erschwerten Bedingungen

Die gute Nachricht: Eine Begleitperson darf in den allermeisten Kliniken wieder bei der Geburt dabei sein. (Danke an alle, die gegen das Kreißsaalverbot protestiert haben!!). Anstelle des strikten Verbotes sind aber vielerorts neue Regelungen getreten, die das Gebären nicht gerade erleichtern. Zu den Einschränkungen, die am meisten auf die Geburtsarbeit wirken, gehört die Maskenpflicht und die eingeschränkte Geburtsbegleitung.

Wie können Schwangere damit umgehen? Wir geben praktische Tipps:

Maske auch während der Geburt?

  • Frage in deiner Wunschklinik nach, wie es dort konkret mit den Masken gehandhabt wird, z. B. ob du eine Maske gestellt bekommst, wann du sie aufsetzen musst usw. 
  • Eventuell wirst du auch angehalten, Handschuhe anzuziehen.
  • Wir haben von einigen Frauen erfahren, die auch während der Geburt eine Maske tragen mussten. Für diese Regelung gibt es jedoch keine Empfehlung von gynäkologischen Fachgesellschaften oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch der Deutsche Hebammenverband lehnt eine Maskenpflicht ab, wenn die Gebärende das Tragen einer Maske während der Geburt nicht tolerieren kann. 
  • Die Regelung ist auch aus medizinischer Sicht nicht sinnvoll: Die Atmung ist ein wesentlicher Teil der Geburtsarbeit und wird durch eine Maske erschwert.
  • Erkundige dich beim Personal im Kreißsaal, ob sie auch für die Geburt eine Maske vorschreiben.
  • Wenn ja, erkläre ihnen deine Bedenken und dass du fürchtest, nicht richtig atmen zu können.
  • Vereinbare, dass du versuchen wirst, die Maske möglichst lange zu tragen. Du wirst sie aber abnehmen, wenn sie dich bei der Geburt stört.
  • Niemand kann dich zwingen, während der Geburt eine Maske zu tragen! Das gilt auch für mit Covid 19/ Corona infizierten Frauen.

Geburtsbegleitung beginnt nicht erst, wenn "das Köpfchen geboren wird"

Anstelle des Kreißsaalverbotes für Begleitpersonen ist vielerorts eine andere Regelung getreten, die viele Schwangere und ihren Partner/ ihre Partnerin mindestens genauso verunsichert: Die Begleitperson wird erst in der Endphase der Geburt zugelassen.

  • Informiere dich, wie deine Wunschklinik die Begleitung der Geburt genau handhabt.
  • Lass dir erklären, warum. Erkläre, dass diese Regelung nicht den geltenden Empfehlungen der WHO und der gynäkologischen Fachgesellschaften entspricht. Die Links dazu findest du hier unter Punkt 5 und 6. Als Argumentationshilfe nimm gerne auch unsere Stellungnahme zur Geburtsbegleitung.
  • Teile dem Personal im Kreißsaal freundlich mit, was diese Regelung(en) mit dir und deinem Partner/ deiner Partnerin macht und wie schlimm das für euch ist.
  • Weise die Klinik darauf hin, dass andere Kliniken die Geburtsbegleitung deutlich familienfreundlicher gestalten: In vielen darf eine Begleitperson die gesamte Geburt im Kreißsaal sein, bei einigen geht das zB, wenn sich der Muttermund einige Zentimeter geöffnet hat (ein Kompromiss, aber immerhin).
  • Wenn alles nichts hilft und die Klinik bei ihrer Regelung bleibt, bereite dich gedanklich auf die Situation vor. Denk an deine Stärke und Fähigkeit, ein Kind zu bekommen. Du schaffst das in jedem Fall! Finde Wege, wie du mit deinem Partner/ deiner Partnerin dennoch nah sein kannst, z. B. übers Smartphone oder eine gemeinsame Playlist, eine Gedankenreise zum letzten Urlaub usw..