„Shit happen’s!“ Persönliche Geburtserfahrungen von Eltern aus Darmstadt und Umgebung

Sätze aus dem Kreißsaal

Darmstadt, 22.11.2017. Anlässlich des weltweiten Aktionstages „Roses Revolution“ gegen Gewalt unter der Geburt am 25. November veröffentlicht der Verein Mother Hood e.V. Auszüge der Elternberichte aus Darmstadt und Umgebung. Diese wurden im Rahmen der Arbeit des Runden Tisches Geburtshilfe der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg gesammelt.

Von Dezember 2016 bis Februar 2017 rief der Verein Eltern im Darmstädter Echo und per Facebook auf Berichte zu ihren Geburtserfahrungen einzureichen. Hierbei ging es insbesondere um das persönliche Erleben der Eltern, wie sie während der Geburt ihres Kindes von Hebammen und Ärzten betreut und behandelt wurden.

Es wurden 26 Berichte mit positiven und negativen sowie klinischen und außerklinischen Erfahrungen von 23 Eltern eingereicht. Diese wurden vertraulich und anonymisiert dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, der Darmstädter Gesundheitskonferenz und der Geschäftsstelle Qualitätssicherung Hessen übergeben.

Im Folgenden werden Zitate aus den Berichten zu wiederkehrenden Themenkomplexe aufgeführt:

Negatives Empfinden Mimik, Gestik, Worte

• „Shit happens!“ Arzt verabschiedet Patientin mit Bauch-Hämatom nach Sectio

• Hebamme wischt Blut von den Beinen der frisch Entbundenen. Arzt dazu: „Mache mer jetzt noch Wellness oder was?“

• „Ich halte doch hier nur ein bisschen fest.“ Arzt zum Kristellerhandgriff

• Ärztin zur jungen Mutter: „Das hat ja alles nichts gebracht.“

• „Mädchen, das heißt Wehen und ist kein Sonntagsspaziergang“ Hebamme zur Gebärenden zu den Bauchkrämpfen nach Prostagladin-Gabe

• „Schreien Sie nicht so, das hilft Ihnen jetzt auch nicht mehr.“

• „Ich wurde (…) so kalt und unverschämt empfangen und abgefertigt, das ich rückwärts aus dem Kreißsaal-Bereich geflüchtet bin.“

• „Ich soll mich nicht so anstellen. Ob ich will, dass das Kind da drin bleibt.“

• „Sie kann‘ s ja doch!“ (Anästhesistin über Gebärende während PDA-Gabe)

• „So eine böse Frau!!!“ (Mutter über Hebamme, die Schmerzmittel verweigert und sie in der Besenkammer entbinden lässt)

Angst / Einsamkeit

• „Wir müssen einige Dinge machen. Lassen Sie es einfach über sich ergehen. Keine Angst.“

• „ … mein Kind zu einer nicht mit mir abgesprochenen Untersuchung abgeholt wurde.“ (Mutter war kurz Essen holen in der Cafeteria) • „Ich hatte Angst. Das habe ich auch kommuniziert.

• „Bis auf, dass das schon werde und ja alles okay sei, bekam ich keine Reaktion. [...] Dort wurde dann gar nicht mehr nach mir gesehen bis ich klingelte, um Hilfe zum Aussteigen zu haben. Ich fühlte mich alleine. […]“

Übergangener Patientenwille

• „ Formula zu trinken und den Schnuller bekamen, ungeachtet dessen, was die Mutter wollte,…“

Grobe Behandlung

• „Im OP wurde an allen Seiten an mir gearbeitet, nicht gerade zimperlich.“ (Patientin in Vorbereitung auf den Kaiserschnitt)

• „Außer dem absoluten Verlust der Menschlichkeit.“

• „Sie hantierten an mir herum,… , dabei wurde nicht unterschieden zwischen meiner Hand, meinem Brustkorb oder meinem Genitalbereich. Auch ob ich geraden Wehen hatte oder mich in der Wehenpause befand.“ (Sectio unter Presswehen)

• „ … mit langen kunstvoll verzierten Fingernägel (die mir wehtaten), untersuchte mich unangenehm.“ (Patientin über die vaginale Untersuchung der Hebamme)

• „ Ich fühlte mich … in gewisser Weise vergewaltigt.“

Abgewiesen unter der Geburt vom Krankenhaus (2 Berichte)

Positives Empfinden Vertrauen, Zeit, Empathie

„… dass ich mich so wenig wie möglich mit anderen Menschen befassen musste und mit niemanden sprechen musste.“

„… wie wichtig es für mich war, meine Hebamme bereits zu kennen. Ich konnte mich unheimlich gut „fallen lassen"

„sie war einfach da, ernst, ruhig, konzentriert, … mein Anker.“ (über die Hebamme)

„nahmen sich trotzdem viel Zeit und waren sehr einfühlsam, …“

Infos zur Aktion „Roses Revolution“ : www.gerechte-geburt.de/rosrev/pressemappe/

Über Mother Hood e. V.:

Bei Mother Hood e.V. setzen sich Eltern bundesweit für eine gute Versorgung von Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt ein. Durch Kreißsaalschließungen, Personalmangel in Kliniken und Lücken in der Hebammenversorgung ist eine sichere Geburtshilfe nicht mehr überall gegeben. Zu den Hauptforderungen von Mother Hood gehören unter anderem die 1:1 Betreuung durch eine Hebamme und das Recht auf die freie Wahl des  Geburtsortes (www.mother-hood.de).

Pressekontakt Hessen:

Franziska Maria Kliemt Landeskoordination Hessen / Geschäftsführender Vorstand, f.kliemt(at)mother-hood.de, Tel. 0176 24108693.