Mother Hood fordert mehr Wille zu Reformen in der Geburtshilfe

Förderprogramm für mehr Hebammenstellen nur ein erster Schritt. Aktueller Gesetzentwurf verbesserungswürdig.

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Bonn, 27. August 2020. Mit dem Versorgungsverbesserungsgesetz (GPVG) will das Bundesgesundheitsministerium (BMG) unter anderem für mehr Hebammen in den Kliniken sorgen. Ziel ist laut Gesetzentwurf, dass eine Hebamme maximal zwei, im optimalen Fall eine Gebärende begleitet. Aus Sicht des Elternvereins Mother Hood ist das ein erster wichtiger Schritt. Jedoch reichen die geförderten 600 neuen Planstellen bei weitem nicht aus. Das haben auch der Deutsche Hebammenverband und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in einer gemeinsamen Stellungnahme erklärt.

“Wir begrüßen die Einsicht des Gesundheitsministeriums, dass eine kontinuierliche Geburtsbegleitung für die Gesundheit von Gebärenden und Kindern entscheidend ist”, sagt Vorstandsfrau Katharina Desery von Mother Hood. “Zu einer nachhaltig besseren Versorgungssituation wird das Gesetz in seiner jetzigen Fassung aber nicht führen.”

Mother Hood fordert weitere Maßnahmen für die geburtshilfliche Versorgung. Zwingend notwendig sind verbindliche Personalvorgaben für die Begleitung von Geburten. Außerdem muss der Betreuungsschlüssel als Qualitätsmerkmal in die Qualitätsberichte aufgenommen werden, die die Kliniken veröffentlichen müssen.

Darüber hinaus müssen grundlegende Reformen der Finanzierung von Geburtshilfe auf den Weg gebracht werden. Ziel muss eine bedarfsgerechte Vergütung sein, die der personalintensiven Begleitung von Geburten Rechnung trägt. Eine entsprechende Bundesratsinitiative hatte zuletzt die Ministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), angeregt.

Eine bestmögliche geburtshilfliche Versorgung ist präventive Gesundheitsförderung. Sie ist ein gesamtgesellschaftliches Anliegen. Um dringend nötige Veränderungen herbeizuführen, fordert Mother Hood gemeinsam mit Hebammen und Ärzt*innen einen Nationalen Geburtshilfegipfel unter Beteiligung aller relevanten Akteure des Gesundheitswesens und der Politik.

 

Hintergrundinformationen

Das Förderprogramm für mehr Hebammenstellen geht zurück auf ein vom BMG in Auftrag gegebenes Gutachten zur Hebammenversorgung aus dem vergangenen Jahr. Das Gutachten benennt die Engpässe in der geburtshilflichen Versorgung von Familien.

Laut Gutachten betreut knapp die Hälfte der Hebammen drei Gebärende gleichzeitig, rund ein Viertel muss vier oder mehr Geburten versorgen.

Den hohen Nutzen dieses Betreuungsmodells insbesondere in Bezug auf Sicherheit in der Geburtshilfe legt eine aktuelle Studie des Bonner Uniklinikums offen.

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Über Mother Hood e. V.:

Bei Mother Hood e.V. setzen sich Eltern bundesweit für eine gute Versorgung von Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt ein. Durch Kreißsaalschließungen, Personalmangel in Kliniken und Lücken in der Hebammenversorgung ist eine sichere Geburtshilfe nicht mehr überall gegeben. Zu den Hauptforderungen von Mother Hood gehört unter anderem die Sicherstellung einer Eins-zu-Eins-Begleitung durch eine Hebamme und die Wahrung des Rechts auf die freie Wahl des Geburtsortes (​www.mother-hood.de​). 

Kontakt: Katharina Desery, E-Mail k.desery@mother-hood.de, Tel. 0163/ 7274735.