Bremer Eltern kämpfen vor Petitionsausschuss für sichere Geburten

Bremen, Dezember 2017 - Am 1. Dezember hat im Bremer Petitionsausschuss die öffentliche Anhörung der Petition “Zur Verbesserung der geburtshilflichen Versorgung im Land Bremen” stattgefunden. Die Petentin Nathalie Wessels von Mother Hood e.V. erklärte dem Petitionsausschuss stellvertretend für werdende Mütter und Väter das wichtigste Anliegen: "Uns Eltern geht es vor allem um eine garantierte 1:1-Betreuung unter der Geburt”. Die aktuelle Lage in Bremer Kliniken ermöglicht kaum eine kontinuierliche Betreuung. Der deutschlandweite Negativtrend ist auch in Bremen deutlich zu spüren: Nach einer aktuellen Umfrage des Deutschen Hebammenverbandes müssen sich 95% der Hebammen um zwei oder mehr Gebärende gleichzeitig kümmern.

Keine rechtlichen Möglichkeiten für verbindliche Personalschlüssel

Das Land Bremen selbst hat keine rechtlichen Möglichkeiten, Kliniken in der Personalbemessung Vorschriften zu machen. Es bliebe jedoch die Möglichkeit, das Personal im Kreißsaal so einzusetzen und zu erweitern, dass eine kontinuierliche 1:1-Betreuung für alle werdenden Mütter möglich wird. Dies könnte insbesondere für die vom Land Bremen getragenen Kliniken eine interessante Möglichkeit sein, denn hier hat das Land im Gegensatz zu den sonstigen freien Kliniken größtmögliche Gestaltungsfreiheit, was die Verteilung der Gelder angeht. In der Anhörung wurde außerdem deutlich, dass viele Bremer Kliniken durchaus Interesse haben, hebammengeleitete Kreißsäle einzurichten. Zur Umsetzung fehle jedoch bisher die finanzielle Unterstützung seitens der Politik.

Nach der Anhörung ihrer Petition zieht Nathalie Wessels von Mother Hood e.V. ein positives Fazit: „Der Petitionsausschuss nahm die Anliegen von uns Eltern sehr ernst. Auf die Bitte eines weiterführenden Fragenkatalogs werden wir alsbald reagieren und weiter in engem Kontakt bleiben“. Hinter den Kulissen wird die Petition intensiv beraten und hoffentlich baldige Lösungswege gefunden werden, die die Situation in Bremer Kreißsälen entspannen.

Hintergrund-Infos

1:1-Betreuung unter der Geburt

In deutschen Kreißsälen betreut eine Hebamme zumeist mehrere Frauen gleichzeitig. Komplikationen werden so mitunter erst spät erkannt und gefährden Mutter und Kind. Resultate unzureichender Betreuung sind mehr Interventionen (z.B. Wehentropf, Dammschnitt, Saugglocke) und steigende Kaiserschnittraten. Die 1:1-Betreuung ist daher oberstes Ziel von Mother Hood e.V., denn lückenlose Betreuung führt zu sicheren Geburten.

Hebammenkreißsäle

Um Gebärenden in der Klinik eine möglichst interventionsarme Geburt zu ermöglichen, existiert seit 2003 das Konzept des Hebammenkreißsaals. Hier werden gesunde Schwangere von erfahrenen Hebammen eigenverantwortlich betreut. Studien zeigen u.a. eine signifikant niedrigere Kaiserschnittrate. Bundesweit gibt es momentan 16 Hebammenkreißsäle.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie:

Nathalie Wessels, Mother Hood e.V. Bremen, Telefon  0176/ 64 20 55 20, E-Mail n.wessels(at)mother-hood.de .

Über Mother Hood e. V.:

Bei Mother Hood e.V. setzen sich Eltern bundesweit für eine gute Versorgung von Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt ein. Durch Kreißsaalschließungen, Personalmangel in Kliniken und Lücken in der Hebammenversorgung ist eine sichere Geburtshilfe nicht mehr überall gegeben. Zu den Hauptforderungen von Mother Hood gehören unter anderem die 1:1-Betreuung durch eine Hebamme und das Recht auf die freie Wahl des Geburtsortes.

Bundesweiter Pressekontakt: Katharina Desery Tel. 0163/ 7274735 E-Mail: k.desery(at)mother-hood.de