18.09.2017 / Dr. Carola Reimann (SPD) - Braunschweig

weitere Teilnehmer: Thomas Hellemann

Wahlkreis: Braunschweig

Im Rahmen einer Wahlveranstaltung habe ich die Gelegenheit genutzt, Carola Reimann auf die Hebammenproblematik anzusprechen. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende und dort zuständig u. a. für Gesundheitsfragen kannte sie die Problematik. Ich habe ihr den Mother Hood-Flyer gegeben, damit sie über die aktuelle Entwicklung informiert ist. Als Großvater habe ich den Wunsch geäußert, dass auch meine Enkelkinder die Chance haben sollen, eine gute und individuelle Hebammenbetreuung zu erhalten.

31.08.2017 / Dr. Barbara Hendricks (SPD) - Kleve

Hebamme Christine Niersmann, Ministerin Barbara Hendricks (SPD) und Sarah Kaufmann von Mother Hood e.V. (v. li.)

Foto © Christine Niersmann

 

weitere Teilnehmer: Sarah Kaufmann von Mother Hood und Hebamme Christine Niersmann

Wahlkreis: Kleve

Sarah Kaufmann hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gemeinsam mit der Hebamme Christine Niersmann über das wahre Außmaß der Missstände in der Geburtshilfe informiert. Sarah dazu: Das Gespräch mit Barbara Henricks hat wieder einmal gezeigt, dass das wahre Ausmaß der Katastrophe noch nicht im Bewusstsein der Abgeordneten angekommen ist. Die Haftpflichtproblematik mag inzwischen allen bekannt sein und ist ja auch 'quasi gelöst'.

Aber das ist inzwischen nur noch ein Bruchteil vom ganzen Problem. Uns ist es im Gespräch gelungen aufzuzeigen, in welcher prekären Situation sich werdende Eltern befinden. Es gibt keinerlei Sicherheit angefangen bei der Schwangerschaftsvorsorge, hin zur Betreuung während der Geburt und ganz zu schweigen von der Hilfe im Wochenbett. Hier ist die Politik gefragt endlich die richtigen Weichen zu stellen und sich nicht weiter aus der Verantwortung zu stehlen. Es geht um nicht weniger als die physische und psychische Unversehrtheit der Familien, aber auch der Geburtshelfer!

08.06.2017 / Niels Annen (SPD) - Hamburg-Eimsbüttel

weitere Teilnehmer: Maike Meyenberg und eine Mitarbeiterin von Niels Annen

Wahlkreis: Hamburg-Eimsbüttel

Das Treffen fand im Wahlkreisbüro von Herrn Annen statt. Neben zwei Mitarbeitern die an ihren Rechnern gearbeitet haben, saßen wir zu dritt am Tisch (Herr Annen, eine Mitarbeiterin und ich).

Positiv war, dass sich die beiden auf das Gespräch vorbereitet hatten. Sie waren mit dem Thema Hebammenversorgung vertraut und kannten die Problematik. Allerdings wurde schnell deutlich, dass die missliche Lage der Hebammenversorgung als ein kleines Problem innerhalb des Gesundheitssektor verordnet wird und das Thema wenig Chancen hat in das Parteiprogramm mit aufgenommen zu werden. Ebenfalls machte Herr Annen an zwei Stellen deutlich, dass sein Schwerpunkt in der Außenpolitik liegt und verwies mich an andere Parteien.

Ich bin mit sehr gemischten Gefühlen aus dem Termin gegangen: ein wenig enttäuscht die Dringlichkeit des Themas dem Abgeordneten nicht verdeutlicht zu haben und doch auch zufrieden das Thema, auch wenn nur kurz, in den Fokus gerückt zu haben.

03.05.2017 / Dr. Martin Rosemann (SPD) - Tübingen

 

weitere Teilnehmer: Stefanie Bealek und Myriam Maldacker

Wahlkreis: Tübingen

Unser Treffen mit Herrn Dr. Rosemann fand einen Tag nach dem Treffen mit Chris Kühne MdB von den Grünen statt.

Zu Beginn unseres Gesprächs stellten wir Herrn Dr. Rosemann und einer Praktikantin seines Wahlkreisbüros, die das Protokoll führte, unseren den Verein Mother Hood e.V. vor und erläuterten welche Aufgaben der Verein übernimmt und warum er gegründet wurde. Also die Vorteile von einer Hebammenbetreuung in der Vorsorge und im Wochenbett und eine 1:1-Betreuung unter der Geburt, sowie das Recht auf eine freie Wahl des Geburtsortes und der Geburtsart.

Relativ schnell drehte sich das Gespräch um die Hebammenversorgung und die Problematik hier vor Ort. Im Raum Tübingen ist es nämlich sehr schwer GynäkologInnen zu finden, die bereit sind eine geteilte Vorsorge zu leisten. Herr Dr. Rosemann fragte intensiv nach und wir stellten ihm die Stellungnahme von Mother Hood e.V. zur geteilten Vorsorge und die Ergebnisse unserer Umfrage im Kreis vor.

Ergebnisse: 69 Hebammen wurden im Kreis zum Thema Vorsorge, Geburtshilfe, Wochenbett, Kurse und Zusammenarbeit mit KinderärztInnen und GynäkologInnen angeschrieben. 

Von den 32 Hebammen, die geantwortet haben (46 %)

  • mussten mind. 25% Vorsorgen im Jahr 2016 absagen
  • mussten mind. 91% Kurse absagen, tlw. 10/pro Woche, in den übrigen Fällen sind keine Angaben gemacht worden
  • musste alle Anfragen zum Wochenbett absagen, tlw. 2-3 Absagen pro Tag (Hebammen berichteten tlw. die 30. kontaktierte Hebamme gewesen zu sein. 1-2 Frauen in der UFK bleiben pro Woche ohne Hebammenbetreuung)
  • mussten alle, die Geburtshilfe anbieten, Anfragen zu außerklinischen Entbindungen absagen
  • berichteten alle über problemlose Zusammenarbeit mit KinderärztInnen
  • berichten 47% über teils massive Probleme mit GynäkologInnen, davon alle, die Vorsorge anbieten.

Er erfragte die Gründe für die Missstände in der Zusammenarbeit der GynäkologInnen mit den Hebammen was die geteilte Vorsorge betrifft und die zunehmende Schwierigkeit eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung zu finden, insbesondere, wenn man sich zu spät in der Schwangerschaft (hier nach der 12. Woche) um eine Betreuung kümmert. Wobei hier im Kreis noch relativ viele Hebammen arbeiten und die Versorgungslage nicht so schlecht ist, wie anderswo. Wir erklärten, dass die Schwierigkeiten einerseits mit der steigenden Haftpflichtversicherung zusammenhingen und dass Hebammen, die bis dato in der außerklinischen Geburtshilfe gearbeitet haben und somit natürlich auch Vorsorgen und Wochenbettbetreuungen angeboten haben, deshalb den Beruf ganz aufgegeben haben. Außerdem arbeiten viele Hebammen in Teilzeit oder gehen in Elternzeit. Zudem ist die Arbeitsbelastung der Hebammen sehr hoch, - zu hoch. Denn der Verdienst, der den vielen Arbeitsstunden der Hebammen gegenübersteht, ist, nicht zuletzt durch den gestiegenen Dokumentationsaufwand, zu gering. Auf seine detaillierten Nachfragen, woran es liege, dass die Arbeitsbelastung der Hebammen gestiegen sei und worin genau die Dokumentationszunahme begründet sei, stellten wir hier den für uns sehr wichtigen Punkt klar, dass wir als ElternvertreterInnen keine detaillierten Einblicke in die Dokumentationsaufgaben und Vergütungshöhen, die zwischen Hebammenverbänden und dem GKV-SV ausgehandelt werden, haben müssen. Als Eltern brauchen wir die Hebammen als Unterstützung und Beistand in dieser hochsensiblen Zeit der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett. Wir sind die Lobby der Eltern, nicht die der Hebammen! Wir brauchen politische Lösungen für die Problematik des flächendeckenden Mangels an Hebammen. Denn als Eltern ist es unser Recht, die Wahl zu haben wie und wo wir diese Versorgung wahrnehmen wollen. Uns war es besonders wichtig, Herrn Dr. Rosemann diese Abgrenzung deutlich zu machen. Denn im Gespräch über die nicht evidenzbasierten Ausschlusskriterien für die außerklinische Geburtshilfe verwies er darauf, dass der GKV-SV unser Vertreter bei diesen Verhandlungen darstelle, worauf wir klarstellten, dass wir uns durch diesen nicht repräsentiert fühlten, aber in Entscheidungsfragen als direkt Betroffene mit einbezogen werden möchten.

Stefanie fragte dann gezielt nach Lösungsansätzen der SPD, immerhin hatten die Grünen uns am Tag vorher ihren Fraktionsbeschluss vom 28.3.2017 "Von Anfang an gut versorgt - Für eine gute Geburtshilfe" vorgelegt, der in sehr vielen Punkten mit unseren Forderungen übereinstimmt. Hierzu konnte uns Herr Dr. Rosemann leider keine Auskunft geben, er wolle die Frage jedoch an Bettina Müller, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, weiterleiten und sich informieren.

Weiter drehte sich das Gespräch um Vor- und Nachteile der Zentralisierung der Geburtshilfe und um die Problematik der längeren Anfahrtswege bei Schließungen kleiner Kliniken.

Einig waren wir uns in dem Punkt, dass viele Probleme daraus entstehen, dass die Kliniken wirtschaftlich arbeiten und mit der Geburtshilfe Geld verdienen müssen.

Allerdings war Herr Dr. Rosemann überzeugt, dass durch die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachten Änderungen eine Besserung für die Hebammen zur Folge hätte. Wir erklärten ihm, dass die getroffenen Maßnahmen aber zu kurz greifen und beispielsweise ein Haftungsfond, eine Aufnahme der Geburtshilfe in die Grundversorgung und eine ausreichende Kostenübernahme hierfür, sowie eine gesetzliche Regelung zum Betreuungsschlüssel unter der Geburt eine tatsächliche Besserung der Situation bedeuten würden.

Er fragte dann noch nach wie Geburtshilfe in anderen Ländern Europas gehandhabt wird und wie Deutschland im Vergleich dasteht. Stefanie erklärte ihm, dass eine Hebamme beispielsweise in Norwegen rund 33 Geburten im Jahr betreut, während es in Deutschland ca. 97 sind.

Des Weiteren drehte sich unser Gespräch noch um die Höhe der Kaiserschnittrate, die Gründe hierfür und um die Empfehlungen der WHO.

Und zu guter Letzt machten wir ihn noch auf den Film „Die sichere Geburt“ von Carola Hauck aufmerksam, und empfahlen ihm sehr, sich diesen Film anzuschauen.

Fazit: Herr Dr. Rosemann hat sich zwei Stunden Zeit genommen, um mit uns zu sprechen. Das war länger als wir erwartet hatten. Er war sehr interessiert und stellte viele Fragen. Es wirkte als wolle er die Problematik wirklich verstehen. Einen Lösungsansatz hat die SPD zwar noch nicht und ein weiterer Austausch wie mit den Grünen ist nicht abgesprochen, für uns war das Gespräch jedoch ein Erfolg. Denn wir denken, wir haben einen weiteren Politiker mit der Problematik und der Sicht der Eltern vertraut gemacht, bzw. dafür sensibilisiert, dass die Elternsicht von dem Standpunkt der Hebammenverbände und des GKV-SV in einigen Aspekten abweichen und wir Eltern uns in Entscheidungsfragen nicht vertreten fühlen. Wenn das Thema das nächste Mal im Bundestag behandelt wird, weiß er worum es geht und aus wessen Sicht es auch betrachtet werden muss.

02.05.2017 / Chris Kühn (Bündnis 90 / Die Grünen) - Tübingen

 

weitere Teilnehmer: Stefanie Bealek und Myriam Maldacker

Wahlkreis: Tübingen

Am 02. Mai 2017 um 9.30 Uhr hatten wir einen Gesprächstermin zur Situation in der Geburtshilfe mit Bundestagsabgeordneten der Grünen Chris Kühn in Tübingen.

Chris Kühn stellte sich vor, klärte uns über seinen eigentlichen Aufgabenschwerpunkt (Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung) auf und erklärte aber, dass er natürlich für alle Belange der BürgerInnen in seinem Wahlkreis der Ansprechpartner sei und diese an die Fachabteilungen weiterleite.

Die Grünen haben das Thema Geburtshilfe gerade zum Wahlkampfthema gemacht und setzen sich stark für ein Benennen der Probleme und eine Verbesserung der Situation ein.

Herr Kühne war also bereits vorinformiert und hat auch ein persönliches Interesse am Thema, da er selbst Vater zweier Kinder ist. Er überreichte uns den Fraktionsbeschluss vom 28.03.2017 der Grünen „VON ANFANG AN GUT VERSORGT – FÜR EINE GUTE GEBURTSHILFE“.

Stefanie Bealek stellte dann kurz den Verein und seine Ziele vor. Außerdem erörterte sie den Zustand der Hebammenbetreuung im Raum Tübingen, den sie vorher anhand einer Email-Befragung bei 69 ansässigen Hebammen erarbeitet hat.

32 Hebammen haben geantwortet. Von ihnen

  • mussten mind. 25% Vorsorgen im Jahr 2016 absagen
  • mussten mind. 91% Kurse absagen, tlw. 10/pro Woche, in den übrigen Fällen sind keine Angaben gemacht worden
  • musste alle Anfragen zum Wochenbett absagen, tlw. 2-3 Absagen pro Tag (Hebammen berichteten tlw. die 30. kontaktierte Hebamme gewesen zu sein. 1-2 Frauen in der UFK bleiben pro Woche ohne Hebammenbetreuung)
  • mussten alle, die Geburtshilfe anbieten, Anfragen zu außerklinischen Entbindungen absagen
  • berichteten alle über problemlose Zusammenarbeit mit KinderärztInnen
  • berichten 47% über teils massive Probleme mit GynäkologInnen, davon alle, die Vorsorge anbieten.

Dann stellte Stefanie Chris Kühn die Frage nach der Sicht der Grünen und Lösungsvorschlägen dieser Probleme. Er bekräftigte uns in der Wahrnehmung der Probleme und berichtete von seinem eigenen Besuch im Geburtshaus in Hagelloch, um sich einen Überblick über die Hebammenprobleme zu verschaffen. In politischer Beziehung ist er gespannt wie prominent das Thema weiter behandelt wird und sieht es als Schlüsselthema im Programm und in der Pflegeberufsdebatte.

Ich habe nebenher das Positionspapier durchgeschaut und erfreut festgestellt, dass bereits alle Punkte, die wir ansprechen wollten, benannt sind.

Im Gespräch betonte Chris Kühn, dass sie einen Betreuungsschlüssel von 1:1 unter der Geburt fordern, dass das DRG-System (Fallpauschalen) abgelehnt wird und dass Effizienz die falsche Herangehensweise in der Geburtsbegleitung ist.

Er stellte die Frage ob es genügend Hebammen in Ausbildung gebe um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Diese Frage konnten wir insofern beantworten, dass die Anzahl der ausgebildeten Hebammen nicht weniger geworden sind aber dass aufgrund der Arbeits- und Vergütungsbedingungen nicht genügend Frauen tatsächlich den Beruf ergreifen.

Dann drehte sich das Gespräch etwas um eigene Erfahrungen. Chris Kühn hat selbst zwei Kinder und konnte daher die Forderungen von Mother Hood durch seine eigenen Erfahrungen sehr gut nachvollziehen. Es war sehr interessant diese zwischenmenschliche Ebene von Eltern zu Eltern im Gespräch zu haben.

Für ihn war auch wichtig, dass die Rolle und die Vorbereitung der Männer bzw. Partner der Gebärenden ernster genommen werden sollte. Wo bekommt der Partner der Frau seinen Platz, welche Aufgaben hat er unter der Geburt und wie wichtig ist er eigentlich? Das sind Fragen die sich oft beim ersten Kind in der Vorbereitung nicht stellen und die dann im Kreißsaal dann schwierig zu bewältigen sind. Da ja auch das Vertrauen in das Wohlwollen der ÄrztInnen erstmal groß sei und die Gedanken an das Bestreben der KH, wirtschaftlich zu arbeiten, die Geburtsvorbereitung meist wenig beeinflussen würden.

Ein großes Problem sieht Chris Kühn in der risikoorientierten Geburtshilfe und den Interventionen, die oft ja schon direkt mit der Einleitung beginnen.

Da diese Punkte alle im Fraktionsbeschluss der Grünen behandelt werden, bat uns Chris Kühn, das Papier durchzugehen und ihm eine Rückmeldung zu schicken. Das werden wir natürlich gerne in Angriff nehmen.

Dann kam das Gespräch auf die Frage wie strukturelle Geburtshilfe und eine flächendeckende Versorgung gewährleistet werden kann. Dieses Thema ist Länderebene und bei den Grünen ist damit Manfred Lucha, Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Ravensburg in Baden-Württemberg und Minister für Soziales und Integration, betraut. Er fördert die Zentralisierung der Kliniken. Hier machte es den Eindruck als wolle Chris Kühn ungern eine klare Position beziehen bzw. als könne er das (mglw. auch weil er nicht so tief ins Thema eingearbeitet ist) nicht. Die wohnortnahe Geburtshilfe erachtet er als sehr wichtig aber auch die Fusion mancher Klinikstandorte ergebe Sinn, insbesondere da ja auch die Geburtshilfe in kleinen Kliniken mit wenig Personal öfter in einem KS ende und das die Geburtshilfe nicht sicherer mache.

Wir waren einig, dass mit einem besseren Vergütungssystem den Problemen der Finanzierbarkeit kleinerer Geburtsstationen begegnet werden könne. Die Vergütung im Geburtssystem sieht er nämlich auch kritisch. Allgemein setzen sich die Grünen für ein tatsächliches Solidarsystem der Krankenkassen und eine Bürgerversicherung ein, womit die Finanzierbarkeit der Geburtshilfe wieder besser zu bewerkstelligen wäre.

Allerdings sehe er insbesondere bei Unikliniken Schwierigkeiten alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen, da der Spagat der Kliniken zwischen Grundversorgung und Daseinsvorsorge, der Behandlung extrem schwerer Fälle, der Ausbildung und der Forschung nicht leicht sei.

Zum Ende des Gesprächs kamen wir nochmal auf die von Chris Kühn angebotene Unterstützung zu sprechen:

Er will uns gerne bei Kontaktaufnahme zu anderen MdBs helfen oder im Raum Tübingen zwecks Veranstaltungen usw. falls das einmal nötig sei. Bei Fragen, Anliegen oder auch für finanzielle Unterstützung stünde er natürlich gerne zur Verfügung bzw. gäbe es Möglichkeiten. Weiter ist er gerne zu Podiumsdiskussionen bereit.

Wir haben dann direkt gefragt ob er erstens Leute kennt, die sich gerne für das Thema engagieren würden und zweitens ob er denn den Film „Sichere Geburt“ von Carola Hauck kennt. Denn eine Vorführung dieses Films hier im Kino, mit Infoveranstaltung und Podiumsdiskussion usw. wäre unserer Meinung nach aufklärungstechnisch das Beste was hier in Tübingen passieren könnte. Allerdings fehlen uns die Kapazitäten das auf die Beine zu stellen. Hier war Chris Kühn aber sehr interessiert. Er würde das möglicherweise gerne über die Grünen oder im Rahmen einer privaten Veranstaltung zu sozialen Fragen machen.

Wir haben ihm natürlich direkt eine E-Mail, mit den Links zum Film und Crowdfunding, geschickt!

Außerdem würde er uns gerne kontaktieren, wenn er eine Veranstaltung zum Thema hat oder bei Fragen. Wir stehen natürlich gerne zur Verfügung.

Fazit: Das Gespräch war sehr angenehm. Chris Kühn bzw. die Grünen stehen hinter den meisten unserer Forderungen und haben dazu einen ausführlichen Fraktionsbeschluss. Die Angebote zur Unterstützung sind toll, wir sind gespannt auf Taten!

19.05.2016 / Nicole Gohlke (Die Linke) - München

 

weitere Teilnehmer: Colin Turner (Die Linke), Birgit Baumgartner

Wahlkreis: München-Süd

Frau Gohlke ist bereits zum 2. Mal in den Bundestag gewählt worden und sitzt im Bildungsausschuss. Sie und Herr Turner haben mich sehr nett empfangen. Frau Gohlke hatte sich extra in die Thematik eingelesen und kam gut vorbereitet zum Gespräch. Sie ist selbst Mutter und hat die Überfüllung der Münchner Geburtstationen miterlebt. Wir haben uns im Laufe des Gesprächs immer wieder über unsere persönlichen Erfahrungen austauschen können.

Die Linke hat 2014 den Antrag zur Sicherung der Zukunft der Hebammen insbesondere durch die Gründung eines Haftungsfonds unterstützt. Frau Gohlke stellte mir das ausführliche Antragsschreiben sowie die Antwort der Bundesregierung zur Verfügung. Ich habe Frau Gohlke von der kürzlichen Ablehnungsempfehlung der Anträge zur Hebammenhaftpflicht und Vergütung im Gesundheitsausschuss (12.5.16) unterrichtet: Die Linke stimmte als einzige Partei für die Einrichtung des Haftungsfonds. Frau Gohlke bot an, Kontakt zu den Vertretern des Gesundheitsausschusses herzustellen, um dieses Ergebnis ggf. im Detail besprechen zu können.

Frau Gohlke erklärte, dass sich die Linke prinzipiell für die Abschaffung der Fallpauschalen in der Krankenhausvergütung einsetzt. Dazu gab sie mir ebenfalls das entsprechende Antragsschreiben aus 2015 mit.

Ich habe Frau Gohlke über die bevorstehende Anhörung unserer Petition informiert (Anm.: öffentliche Anhörung der Petition 51168 am 20.6.2016). Herr Turner wird versuchen herauszufinden, wer von der Linken als Sachverständiger nominiert wurde und unser Informationsblatt an die Teilnehmer der Fraktion weiterleiten. Er wird sich zudem auf die Suche nach Statistiken zur Belegung der Kreissaalschließungen und Berufsaufgabe von Hebammen machen, da diese Situation von der Union in den Beratungen oft negiert wird.

Frau Gohlke empfiehlt Mother Hood e.V. im bevorstehenden Wahlkampf einen Prüfantrag an die großen Parteien zu stellen und sie damit zur öffentlichen Stellungnahme zu motivieren. Sie nannte mir auch weitere Abgeordnete aus München, die unserem Anliegen wohlgesonnen sein könnten und ermutigte mich, auch zu den anderen Parteien besonders im Wahlkampf Kontakt aufzunehmen.

03.05.2016 / Katharina Dröge (Bündnis 90 / Die Grünen) - Köln

Foto © Ruth Piecha

 

weitere Teilnehmer: Judith Hasselmann (Bündnis 90/Die Grünen), Greta Semar (Mother Hood), Ruth Piecha (Mother Hood)

Wahlkreis: Köln-Nippes

Katharina Dröge (31) ist Obfrau ihrer Partei im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Sie kam gut vorbereitet in das Gespräch und nahm sich über eine  Stunde Zeit. Mit dabei war auch Frau Dröges Mitarbeiterin Judith Hasselmann, die auf dem Gebiet Gesundheit, Soziales und Familie schon erhebliches Vorwissen hat und Frau Dröge in diesen Fragen berät. Ebenfalls anwesend: Greta Semars und Katharina Dröges Söhne.

Man empfing uns offen und überaus freundlich. Die Grünen setzen sich für eine politische Lösung in der Geburtshilfe ein. Unser Bestreben den Fokus weg von den Hebammen hin zu den Interessen der Eltern und der Sicherheit von Mutter und Kind zu lenken, traf auf großes Interesse. Einige Informationen unseres Infoblattes waren so noch nicht bekannt, so dass wir hier neue Impulse geben konnten.

Frau Dröge bot an, uns beim Deutschen Frauenrat ins Gespräch zu bringen. Auch stellte sie in Aussicht, dass die Fraktion Bündnis 90/die Grünen bei Anhörungen zum Thema Geburtshilfe zukünftig auch Mother Hood e.V. als Elternvertreter laden könnte.  

Die Kontaktaufnahme erfolgte zunächst per Email, eine erneute Nachfrage dann per Telefon (AB). Kurz nach dem Treffen postete auch Katharina Dröge einen Beitrag zu unserem Treffen auf Ihrer facebook Seite.

21.07.2014 / Dr. Georg Kippels (CDU) - Bedburg

 

weitere Teilnehmer: Katharina Desery (Mother Hood)

Wahlkreis:  Rhein-Erft-Kreis I

 

 

Am 21.7.2014 führte Katharina Desery ein Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten ihres Wahlkreises, Herrn Dr. Georg Kippels, in seiner Rechtsanwaltskanzlei in Bedburg (nahe Köln). Herr Dr. Kippels ist übrigens Mitglied im Gesundheitsausschuss.

Mich hat eine Hoch-Schwangere begleitet. Ich habe eine Info-Mappe zusammengestellt, die neben den üblichen Unterlagen auch noch eine von mir verfasste Beschreibung der Situation im Rhein-Erft-Kreis enthielt. Dazu hatte ich im Vorfeld mit Vertreterinnen des DHV NRW und des Hebammennetzwerks Köln sowie mit 2 ortsansässigen Hebammen gesprochen.

Wir wurden in den Kanzleiräumen von Herrn Dr. Kippels zunächst von seiner Ehefrau sehr freundlich begrüßt. Sie ist im Vorstand eines Krankenhauses im Kreis (welches nur mit Beleghebammen arbeitet) und konnte dadurch einige Infos aus Krankenhaussicht erläutern. Sie wusste z. B., dass manche Häuser ihren Hebammen einen Zuschuss zur Haftpflichtprämie geben (andere nicht) und kannte auch das Problem Nachwuchshebammen zu finden. Außerdem versicherte Frau Kippels uns, dass ihr Mann dem Hebammenthema sehr offen und aufgeschlossen gegenüber steht und auch bereits gut informiert sei.

So freundlich das Gespräch begonnen hat, so angenehm ging es dann mit Herrn Dr. Kippels weiter. Wir merkten, dass er gut im Thema drin ist. Als CDU-Vertreter begrüßt er natürlich die Maßnahmen des Gesundheitsministeriums. Ich hatte aber den Eindruck, dass er erkannt hat, dass dies nicht das Ende sondern erst der Anfang der Problemlösung sein kann. Zufälligerweise sitzt Herr Kippels in der Fraktion direkt neben Herrn Gröhe. Die beiden haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Ich hoffe, dass so Herr Gröhe von unserem Besuch erfährt. Herr Kippels versicherte uns, dass Herrn Gröhe sehr an einer langfristigen Lösung gelegen ist und der Prozess dazu laufen würde. Leider dauert so etwas in der Politik eben länger.

Von einem Haftungsfond hält Herr Kippels übrigens gar nichts, da das Versicherungsrisiko nicht auf den Staat abgewälzt werden könne. Er hat verfassungsrechtliche Bedenken. Als nächstes sah er die Menge der Geburten pro Hebamme als problematisch an, denn wenige Geburten würden weniger Erfahrung bedeuten (dem habe ich natürlich widersprochen und auf die QUAG verwiesen). Dies würde sich - wenn ich es richtig verstanden habe - auf die Berechnung einer Versicherungsprämie zu ungunsten der Hebamme auswirken. Auch eine Haftungsobergrenze sei nicht möglich. In diesem Zusammenhang erwähnte Dr. Kippels die Möglichkeit, den Versicherungsbeitrag zu staffeln. Als Beispiel nannte er die freien Rechtsanwälte. Diese müssten jedes Jahr einen Schadensbericht an ihre Versicherung melden. Danach könnten die Beiträge entsprechend angepasst werden. Inwieweit sowas bei Hebammen auch denkbar wäre oder schon passiert, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Problematisch sah Herr Kippels die Uneinigkeit der Berufsverbände sowie die Tatsache, dass die Hebammen in der Vergangenheit "nicht laut genug" auf das sich abzeichnende Problem aufmerksam gemacht hätten. Ich habe aber darauf hingewiesen, dass dies natürlich kein Grund sei, das Problem nicht im Sinne der Hebammen zu lösen und die Hebammen derart zu übervorteilen. Da waren wir uns natürlich einig.

Am Schluss unterhielten wir uns noch über die Möglichkeiten, mehr vor Ort zu tun. Ich schlug die Einrichtung und Förderung von Hebammenzentren vor. Dies hatte mir eine Hebamme im Interview als eine mögliche regionale Maßnahme genannt. Des Weiteren muss auch regional mehr über die Hebammenarbeit informiert werden (Stichwort gesundheitliche Aufklärung), z. B. schon in den Schulen im Rahmen des Sexualkundeunterrichts (etwa durch Hebammenbesuche). Das alles sollte zum Ziel haben, langfristig den Hebammenberuf zu sichern. Denn ohne Nachfrage kein Angebot. Wir besprachen die allgemeine "Technikverliebtheit" der Deutschen. Ich glaube, Herr Kippels wollte darauf hinaus, dass die heutigen Frauen die Versorgung in den Krankenhäusern und bei den Gynäkologen evtl. ja selbst wollten. Wir antworteten, dass die Familien in den letzten Jahren natürlich quasi dazu "erzogen" wurden und ja gerade deshalb die o. g. Maßnahmen sinnvoll wären. Diesen Ansatz fand er sehr interessant.

Abschließend versprach Herr Kippels eine Sachstandsanfrage an Herrn Gröhe bzw. das Gesundheitsministerium zu stellen und mich darüber zu informieren.

Fazit: Grundsätzlich war Herr Dr. Kippels eher auf Konsens denn auf Konfrontation aus. Bzgl. der Bedeutung von Hebammen bestand gar kein Zweifel, da mussten wir keine Überzeugungsarbeit leisten. Im Hinblick auf außerklinische Geburtshilfe haben wir, so hoffe ich, Denkanstöße geben können. Die Bedeutung von 1:1-Betreuung quasi zur Vorsorge von Schäden kam auch an, ebenso die Notwendigkeit der Wahlfreiheit und der wohnortnahen Versorgung. Interessant fand ich, dass Herr Dr. Kippels von einer Versicherungslösung auch nach 2016 überzeugt ist und die Ankündigung der Versicherungswirtschaft mehr als Drohung oder Aufruf zum Handeln versteht.